#2 Der innere Schweinehund

 

Endlich war es soweit, Urlaub! Zwar nur eine Woche, aber immerhin.
Wir hatten uns entschlossen zum Umweltfotofestival Horizonte Zingst zu fahren. Zuvor haben wir noch einen kleinen Abstecher zu Freunden in Stade gemacht, dort übernachtet und sind am nächsten Morgen um kurz nach zehn gestartet. Das Navi zeigte dreieinhalb Stunden Fahrt, also früh genug vor Ort um noch etwas vom Tag zu haben.

 

Wie sich herausstellte gab es diverse Baustellen, Umleitungen und Staus, insbesondere im Hamburger Raum. Letztendlich waren wir um halb vier endlich in unserer Ferienwohnung angekommen. Zentral gelegen, sauber und liebevoll hergerichtet. Wir haben am ersten Tag noch eine kleine Runde zu Fuß durch den Ort gedreht und waren an der Seebrücke. Mir war sofort klar, dass ich hier den Sonnenaufgang fotografieren wollte. Nachdem wir einige sehr schöne Tage verbracht haben, an denen die Kameras ständige Begleiter waren, war es am Vatertag soweit:

 

 

Sonnenaufgang kurz vor fünf!
Am Abend zuvor sagte der innere Schweinehund es würde sich nicht lohnen um vier aufzustehen, das Wetter würde bestimmt schlecht sein, viel zu wenig Schlaf, der Tag wäre dann gelaufen, bla, bla, bla…
Zum Glück haben wir ihn ignoriert. Es war schon nicht einfach, nach den paar Stunden die Beine wieder aus dem Bett zu schwingen, sich anzuziehen, die Ausrüstung zu nehmen und durch die einsamen Straßen an den Strand zu gehen. Dort angekommen waren wir dann doch nicht mehr so alleine, es gibt offensichtlich noch genug andere, die auch nicht auf ihren Schweinehund hören wollen. Auf der Seebrücke standen sie aufgereiht wie die Perlen an einer Kette. 20 bis 25 Fotografen, mit und ohne Stativ, mit verschiedensten Kameras und Zubehör. Aber eines war uns allen gemein, die Liebe zur Fotografie und der Wunsch nach DEM Bild.

 

 

Da ich den Strand mit auf der Aufnahme haben wollte, stellten wir uns unter die Brücke und warteten auf den richtigen Moment. Ein recht frischer Wind wehte und trieb so einiges an Sand vor sich her, zum Glück war es aber Rückenwind und die Linsen wurden etwas geschont. Plötzlich wehte eine Mütze von der Brücke zu uns herunter, hätten wir sie nicht eingefangen, wäre der Besitzer wohl ein gutes Stück den Strand entlang gelaufen um sie wiederzubekommen und hätte seine Aufnahme verpasst.

 

Dann war es soweit, die Sonne lugte vorsichtig über den Horizont und wir machten unsere Bilder. Froh aufgestanden zu sein und etwas ausgekühlt zurück in der Wohnung, haben wir dann festgestellt, dass der Wind ganze Arbeit geleistet hat. Es gab unzählige Stellen, an denen die Bilder nachbearbeitet werden mussten. Feinste Sandpartikel hatten sich auf der Linse ausgebreitet. Aber das Ergebnis und die Erinnerung an diesen schönen Morgen waren es wert. Vielleicht hat es jetzt auch der innere Schweinehund begriffen und hält beim nächsten Mal gleich den Mund.

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